Libertäre Gewaltlosigkeit und Anarchie
Das Prinzip der Gewaltlosigkeit (Non-Aggression Principle) und die Anarchie stehen im libertären Denken in einem engen, aber nicht zwingenden Verhältnis zueinander.
Der Zusammenhang
Das Non-Aggression Principle verbietet die Initiation von Gewalt. Daraus folgt logisch, dass auch der Staat – soweit er auf Zwang, Besteuerung und Monopolgewalt beruht – gegen dieses Prinzip verstößt. Viele Libertäre (insbesondere in der Rothbard’schen Tradition) ziehen daraus den Schluss, dass ein konsequent gewaltloser Gesellschaftszustand nur ohne Staat denkbar ist. In diesem Sinne führt das Prinzip zur Anarcho-Kapitalismus bzw. zur privaten Rechtspflege.
Murray Rothbard selbst war Anarcho-Kapitalist und sah den Staat als systematischen Aggressor. Für ihn war die Gewaltlosigkeit das ethische Fundament, aus dem sich die Ablehnung des Staates zwingend ergab.
Keine zwingende Identität
Nicht jeder, der das Non-Aggression Principle teilt, ist Anarchist. Es gibt auch Minarchisten (z. B. in der Tradition von Robert Nozick oder Ayn Rand), die das Prinzip anerkennen, aber einen minimalen Staat für die Durchsetzung von Eigentumsrechten und Verteidigung für notwendig halten. Sie argumentieren, dass ein sehr begrenzter Staat die Gewaltlosigkeit besser schützt als vollständige Anarchie.
Kurz zusammengefasst
- Das Prinzip der Gewaltlosigkeit ist das ethische Fundament.
- Die Anarchie (im Sinne der Ablehnung des Staates) ist eine mögliche, von vielen Libertären gezogene Konsequenz daraus – aber keine logisch zwingende.
- Rothbard und die anarcho-kapitalistische Richtung sehen beides als untrennbar verbunden. Minarchisten trennen sie.
Die Gewaltlosigkeit definiert, was unzulässig ist. Ob daraus die vollständige Abschaffung des Staates folgt oder nur seine radikale Begrenzung, bleibt innerhalb des libertären Spektrums umstritten.